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Brasilien

 

01.08.10

 

In Brasilien änderte sich gleich einmal der Straßenbelag. Wir fuhren endlich wieder auf bestem Asphalt. Gleich nach der Grenze wurde am Posten der Gesundheitsbehörde MAX desinfiziert und ein paar Früchte konfisziert. Die eigentlichen Grenzformalitäten mussten wir im 70 km entfernten Caceres erledigen. Die Zöllner und Grenzer dort arbeiten aber auch nicht am Sonntag, also mussten wir bis Montag warten.

 

02.08.10

 

Nachdem wir endlich bei den einzelnen Behörden waren und unsere Einreise offiziell bestätigt wurde, dürfen wir uns für 90 Tage in Brasilien aufhalten.

Da ich unbedingt einmal Piranhas angeln möchte, fuhren wir anschließend gleich an das Ufer des Rio Parana, von wo aus große Botels, zweistöckige Angelausflugsboote, zu ihrer meist fünftägigen Tour starten, um uns zu erkundigen, wo ich mir eine Angelerlaubnis kaufen kann.

In einem Angelgeschäft sprach uns ein Mann in gebrochenem Englisch an, ob wir nicht Lust hätten, für 80 US Dollar einen Tagesausflug zu m Fischen zu machen. Obwohl er mit uns kein Geschäft machen konnte, half er mir dabei, eine Erlaubnis zu kaufen, gab mir Tipps für die richtigen Köder und zu guter Letzt schenkte er uns noch eine gratis Bootsfahrt um uns „seinen“ Fluß zu zeigen. Solche Begegnungen sind das i-Tüpfelchen einer Reise.

 

Nachmittags fuhren wir weiter nach Pocone, dem Tor zum nördlichem Pantanal. Dort beginnt die Transpantaneira, eine Schotterpiste ins größte Überschwemmungsgebiet der Erde. Zur Regenzeit vom November bis März ist das Gebiet bis zu 3 m hoch überschwemmt, aber jetzt ist es Trocken und die Tiere versammeln sich an den Wasserlöchern.

 

03. - 07.08.10

 

Es war wunderschön, beeindruckend und ein wenig abenteuerlich. An jedem noch so kleinem Wasserloch liegen Kaimane in der Sonne, Wasserschweine spazieren durch die Tümpel und unzählige Kraniche, Störche und sonstige Wasservögel bevölkern die verbleibenden Sumpfgebiete. Kleine Papageien, große blaue Aras und Tucane sitzen in den Bäumen und streiten sich mit den Affen um die Palmfrüchte.

 

Es ist wie im Zoo, nur anders, man ist mittendrin.

 

Auf der Posada Rio Clarinho haben wir drei schöne Tage verbracht. Wir fuhren mit dem Kajak auf dem Rio Claro und fischten Piranhas. Erst versuchten wir es mit Fleisch, wie es uns die Leute empfohlen hatten, aber damit wir fingen nur kleine Fische. Außerdem sahen uns die Kaimane hungrig dabei zu. Dann probierten wir es mit einem bunten Wobbler und darauf bissen die großen Piranhas wie wild.

Leicht gewürzt, in Öl frittiert schmecken sie hervorragend. Leider haben sie viele Gräten, aber wenn man sie vor dem Frittieren alle zwei Zentimeter einschneidet, werden die Gräten knusprig und man kann sie mitessen.

 

Auf einer unserer Ausflüge auf dem Rio Claro trafen wir auf eine fünfköpfige Riesenfischotterfamilie, die sich von uns gestört fühlte. Sie fauchten und griffen unser Boot an. Zum Glück bissen sie nur in unser Heckruder aus Metall und nicht in die Gummihaut. Und wir dachten die Kaimane oder die Piranhas wären die Tiere, die uns am gefährlichsten werden könnten, wenn wir mit dem Boot unterwegs sind.

 

08. - 12.08.10

 

Vom nördlichen fuhren wir über den südlichen Pantanal nach Bonito. Die Stadt ist bekannt für ihre glasklaren Flüsse. Hier machten wir einen Schnorchelausflug, wobei wir zuerst zusammen mit einem Führer den Fluss im Boot hinauf rudern mussten und uns dann im Wasser durch die Strömung wieder zum Ausgangspunkt treiben lassen konnten. Jakob blieb dabei die ganze Zeit brav im Boot sitzen. Es war super. Da das Angeln hier verboten ist und die Fische an das Spektakel gewohnt sind, kann man sie sehr gut beobachten. Fische die man bei uns nur aus dem Aquarium kennt, sieht man hier neben sich im Wasser schwimmen.

 

16.- 21.08.10

 

Die letzten Tage durchquerten wir die Kornkammer Brasiliens. Es ist ein bei uns fast unbekanntes Brasilien. Anstatt Regenwald und Palmen, erstrecken sich die Weizen-, Mais- und Zuckerrohrfelder bis an den Horizont. Unterbrochen werden sie nur von Kuhweiden und kleinen Wäldern. Anstatt dunkelhäutige Menschen trifft man hier eher blonde, hellhäutig Leute und viele davon sprechen sogar deutsch.

In Pomerode, der „Cidade mais Alemañ do Brasil“ (deutscheste Stadt Brasiliens) fühlt man sich dann auch wie in einer norddeutschen Kleinstadt. Sie wurde im 19 Jahrhundert von pommerischen Einwanderern gegründet und die Menschen halten die Bräuche und die deutsche Kultur aufrecht. So gibt es deutschsprachige Volksmusikgruppen, Schützen- und Trachtenvereine und Bierfeste.

 

Wir wollten eigentlich nur für einen Tag in der Stadt bleiben und uns den Tierpark anschauen, wie wir es Jakob versprochen hatten. Aber es kam wieder einmal anders:

 

Wir waren gerade auf der Suche nach einem geeignetem Platz für die Nacht, als eine junge Frau anfing, Fotos von MAX zu machen. Als sie bemerkte, das wir im Auto waren, kamen sie und ihre Mutter auf uns zu. Sheila und Carmen verliebten sich sofort in Jakob und luden uns nach einem kurzen Gespräch zu sich nach Hause ein.

Carmen erzählte uns, dass ihre Mutter deutsche war und sie deshalb so gut deutsch spricht. Leider können ihre erwachsenen Kinder Sheila, Jefferson und Euklidis nur noch sehr wenig deutsch, aber das war auch kein Problem, mit einem Mix aus brasilianisch, englisch, spanisch und Carmen als Dolmetscherin klappte es ganz gut und so saßen wir bis zwei Uhr morgens zusammen. Besonders Jeff und seine Freundin Lu interessierten sich für unsere Reise und unsere Probleme und Erfahrungen. Sie haben den Traum, auch eines Tages loszufahren und Südamerika und vielleicht mehr zu bereisen. Für sie war es schön zu hören, dass man keine besonderen Voraussetzungen für so ein Vorhaben haben muss, sondern nur den Mut den ersten Schritt zu tun, um dann gezielt daraufhin zu arbeiten.

 

Für den nächsten Abend lud uns Jeff zu seiner Geburtstagsfeier ein. Tagsüber besuchten wir den Zoo. Für Jakob und auch für uns war es ein schöner Ausflug. Jakob bewunderte vor allem die Giraffen mit ihren langen Hälsen und den Löwen, der zu seinem Glück auch laut brüllte.

 

Abends fuhren wir zu Jeff und Lu nach Timbo, einer Nachbarstadt Pomerodes. Auf der Feier wurden wir gleich allen Verwandeten vorgestellt und wir lernten unter anderem auch Ildo, Carmens Lebensgefährten kennen. Er und seine Kinder sprechen auch deutsch, was uns schon nicht mehr wunderte. Es wurde wieder ein sehr schöner Abend, mit reichlich Grillfleisch und Bier.

Wir blieben die Nacht über in Timbo stehen und nach einem guten Frühstück, zeigte uns Jeff die Stadt. Nach anfänglichen Verständigungsschwierigkeiten traute er sich dann doch Englisch zu sprechen und es stellte sich heraus, dass er es eigentlich sehr gut beherrscht, was ihn wahrscheinlich am meisten verwunderte.

 

Am nächsten Tag besuchten wir Ildo auf seiner Baustelle im Urwald. Er hat zusammen mit seinem Brüdern eine Firma, die sich auf Erdbewegungen spezialisiert hat und Jakob durfte auf seiner Raupe mitfahren. Das war eine Freude für ihn. Er war so fasziniert, dass er wie zu einer Salzsäule erstarrt auf Ildos Schoß saß und staunte.

Abends besuchten wir ihn dann zuhause. Er wohnt zusammen mit seinem Schwiegervater und seinen Kindern in einem Haus mit großem Garten. Sehr schön, das Haus, der Garten mit den Hühnern, dem Teich und den Obstbäumen könnte auch bei uns irgendwo stehen. Nur die Bananenstauden, die zum Nachreifen an den Balken hingen passten nichts ins Bild, wir sind halt doch in Brasilien.

Später fuhren wir noch in eine Lanchonette, einen kleinem Restaurant um dort noch frittierten Fisch und Pommes zu essen.

 

Am Samstag mussten wir früh aufstehen, wir machten einen Familienausflug nach Blumenau, der Hauptstadt von Santa Catarina. Zuerst zeigte uns Carmen ein „Factory Outlet“ in dem Bekleidung der umliegenden Fabriken verkauft wird. Es war so günstig, dass wir richtig zuschlugen und ein halbes Monatsbudget dort ausgaben.

In Blumenau schauten wir uns noch das Gelände des zweitgrößten Oktoberfests der Welt an, bevor wir zum Essen gingen. In einer Churrascaria genossen wir unser erstes Rodizio. Dabei gehen Kellner mit Fleisch- und Wurstspießen von Tisch zu Tisch und man kann sich aussuchen, was und wie viel man will. Ein Traum für Fleischfreunde.

Wir mussten uns zwingen aufzuhören, denn immer wieder kamen die Kellner mit neuen Köstlichkeiten an den Tisch. Noch während der Nachspeise, wir fühlten uns als hätten wir eine halbe Kuh verdrückt, lud Jeff noch alle für den Abend zum Pizza essen zu sich nach Hause ein.

Nach dem Essen schauten wir uns noch die Innenstadt von Blumenau an. Dort gibt es auch viele Fachwerkhäuser und in den Kaffee´s und Restaurant´s bedienen Kellner in kurzen Lederhosen. Alles schön kitschig für die brasilianischen Touristen.

 

Abends servierte uns Jeff noch richtige Pizza´s vom Allerfeinsten. Selbstgemachter Hefeteig, lecker und reichlich belegt. Sehr, sehr gut. Nicht umsonst sagt seine Mutter, er solle, neben seinem Büro für Werbegrafik eine Restaurant aufmachen. Es wurde wieder ein sehr schöner und langer Abend, leider unser letzter mit dieser lieben Familie, die uns so herzlich aufgenommen hat. Wir gingen in ihren Häusern ein- und aus und fühlten uns immer, als würden wir uns schon ewig kennen. Alles war so herrlich unkompliziert und ohne Zwang, wir fühlten uns wie zu hause...

 

 

22. - 25.08.10

 

Nach einem langen Frühstück bei Jeff, fuhren wir schweren Herzens weiter Richtung Florianopolis an der Küste Brasilien. Wir wollten uns die Stadt anschauen und hofften auf schönes Wetter, um noch ein paar Tage an den Stränden genießen zu können.

Als wir an die Küste kamen, war es aber leider neblig, kalt und trist. Ein trostloses Wetter, passend zu der Stimmung im MAX. Unsere Abreise rückt immer näher und wir sind hin- und hergerissen. Einerseits freuen wir uns darauf nach Hause zu kommen und all die Menschen wiederzusehen, die uns am Herzen liegen, auf den Luxus von fliesend warmen Wasser, duschen zu können wann immer man Lust dazu hat. Darauf sich keine Sorgen machen zu müssen, ob einen das Auto gut dorthin bringt, wo man hin will und ob man einen sicheren Stellplatz für die Nacht findet. Anderseits gibt es noch so viel zu sehen und zu erleben, es fehlt uns an nichts und wir haben gelernt ohne tägliche Dusche zu leben.

 

In diesem Stimmungszustand und auf Grund des tristen nebligen Wetters machte es uns irgendwie keinen Spaß mehr uns irgendwas anzuschauen.