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Ushuaia - Bariloche

 

26.- 27.11.09

 

Am Lago Escondito habe ich leider nichts gefangen, dafür habe ich drei meiner besten und teuersten Köder im See versenkt.

Das konnte ich nicht auf mir sitzen lassen, also noch am selben Tag zurück nach Ushuaia, um eine weitere Tageslizenz zu kaufen und mich mit neuen Blinkern, Spinnern und Streamern einzudecken. Im Angelladen erzählte ich dem Verkäufer von meinem Glück vom Vortag. Er lachte nur und meinte, es seidie einfachste Stelle um an den See zu kommen, aber auch die schwierigste um dort zu fischen.

Er verriet mir, dass es auf der gegenüberliegenden Seite eine schöne Bucht gäbe, in der man sehr gut fischen könne. Es wäre auch eine sehr schöne Stelle um dort zu übernachten, allerdings sei der Weg sehr eng und es müssten drei Bäche durchquert werden. Er warnte mich auch noch, dass es nur am Ende des Weges eine Wendemöglichkeit gäbe.

Alternativ nannte er mir noch drei gute Angelseen in der Gegend.

Nachdem wir unsere Vorräte aufgestockt hatten, fuhren wir wieder zurück zum Lago Escondito um dort zu übernachten.

 

28.11.09

 

Wir standen heute früh auf und machten uns gleich auf den Weg ans andere Ufer des Sees. Zuerst fanden wir die Abzweigung in den kleinen Weg nicht, aber nach kurzem Suchen starten wir das Abenteuer Bachdurchquerung.

Zuerst ging es ganz gemütlich durch den Wald, aber als wir am Scheitelpunkt einer steilen Auffahrt angekommen waren, sahen wir dass es genauso steil wieder runter ging und der Weg dank eines kleinen Rinnsals sehr feucht war. Zu allem Übel hing auch noch ein umgestürzter Baum über den Weg. Er wurde zwar schon von jemanden soweit ausgeschnitten, dass man mit einem normalem Pickup durchfahren konnte, aber wir waren leider zu hoch, also musste ich mit der Machete bewaffnet los ziehen, auf den über die Straße hängenden Baum klettern und ihn zurecht hacken. Nach einer halben Stunden hacken, ziehen und zerren konnten wir dann weiterfahren. Der Rest der Strecke glich dann eher einem Bauchlauf als einem Weg, aber wir schafften es uns durch zu wühlen.

Das Ziel belohnte unsere Mühen, das Wasser lag kristallklar vor uns, ihm Schutz der Bäume war es fast windstill und am Ufer gab es einen Kiesstrand für Jakob und Susi. Ein sehr schöner, ruhiger Übernachtungsplatz.

Während ich mein Glück beim Fischen versuchte, kam eine Touristengruppe mit Kajaks in der Bucht an und fingen auch an zu fischen, dann kam noch eine Horde lärmender Fischer in einem Pickup an und schon war es vorbei mit der Ruhe. Da sie auch hier übernachten wollten und es auch noch zu regnen anfing, beschlossen wir an eine der Lagunen weiterzufahren.

In der Laguna Magaritta, fing ich dann endlich meine Forelle.

 

29.11.09

 

Eigentlich wollten wir heute weiterfahren, aber wir lernten an der Lagune Gerhard und Greti kennen, zwei Österreicher unterwegs in einem Steyr LKW. Sie hatten irgendwann beschlossen mit 50 Jahren auszusteigen und hatten für diesen Traum hart gearbeitet und sich alles eisern erspart.

 

30.11. - 02.12.09

 

Die Tage verbrachten wir mit Gerhard und Greti. Die Zeit verging wie im Flug, irgendwie war es als würden wir uns schon ewig kennen. Wir kochten gemeinsam am Lagerfeuer, Gerhard räucherte Forellen in seinem Räucherofen, es gab Kesselgulasch und zur Nachspeise Apfelküchle oder wir saßen in ihrer warmen „Wohnung“ und unterhielten uns.

Die Gespräche mit ihnen waren sehr interessant, sie hatten viele Tipps für uns, sowohl für unsere weitere Reise, als auch für´s Leben danach.

Wir waren zwischendurch auch wieder in Ushuaia, um unsere Vorräte noch einmal aufzufüllen. Wir hatten nur Lebensmittel für drei Tage eingekauft, erstens weil sie im Süden teurer sind und zweitens, weil wir auf der Rückreise wieder durch Chile fahren müssen und sie dort die frischen Lebensmittel beschlagnahmen (weil sie ja so gefährlich sind für Chile).

 

03.12.09

 

Gestern fing es wieder an zu schneien, also beschlossen wir jetzt endlich aufzubrechen und schön langsam in wärmere Gefilde zu fahren.

In Rio Grande ließen wir unsere Bremsen noch einmal anschauen und der Mechaniker fand endlich das Problem. Ein Bremszylinder war undicht, bei jedem Bremsen verlor er minimal Bremsflüssigkeit und saugte dann Luft. Leider hatten sie keinen passenden Ersatz, also versuchte er den Zylinder wieder abzudichten. Es funktionierte auch, aber eher früher als später brauchen wir unbedingt einen Neuen.

 

07.-09.12.09

 

Die letzten Tage verliefen eher ruhig. Wir fuhren wieder durch Pampa, schauten uns Punta Arenas und Puerto Natales an und fuhren dann weiter Richtung Nationalpark „Torres del Paine“. Kurz vorm Parkeingang kam uns in einer der vielen engen und unübersichtlichen Kurven ein deutsches Wohnmobil entgegen. Es waren Caroline, Dietmar und ihr einjähriger Sohn Ottmar. Die Drei, die wir schon in Buenos Aires kennen gelernt hatten. Wir versuchten schon seit längerem uns wieder zu treffen, mal schrieben sie eine Mail mit ihrem Standort, mal wir, aber irgendwie klappte es nie und auf einmal standen wir uns mitten im Nirgendwo gegenüber. So klein ist die Welt.

Sie waren schon im Park und auf dem Weg nach Ushuaia. Sie drehten aber noch einmal um und wir verbrachten zwei schöne gemeinsame Tage und Nächte.

Tagsüber machten wir kleine Wanderungen und Abends kochten wir gemeinsam.

 

10.12.09

 

Nach einer Nacht an der Laguna Amarga, fuhren wir weiter nach El Calafate. Das „Tor“ zum Nationalpark „ Los Glaciares“, mit dem berühmten Perito Moreno Gletscher und dem Fitz Roy Massiv.

 

Heute rettete ich zwei Leben:

 

Während der Fahrt kamen wir an einem Wasserloch vorbei, um das ein paar tote Schafe lagen. Als wir genauer hinschauten, sahen wir, dass ein Schaf noch am Leben war, aber im Schlamm feststeckte und keine Kraft mehr hatte sich selbst zu befreien. Gemäß dem Motto „jeden Tag eine gute Tat“, zog ich mir meine Gummistiefel an und befreite das schwere Tier aus dem Morast.

Seine Wolle hatte sich so mit Wasser voll gesogen, dass es anfangs gar nicht aufstehen konnte. Ein in der nähe stehendes Lamm blökte laut, traute sich aber nicht heran.

Wir hofften, dass die Beine noch in Ordnung waren. Wir wussten nämlich nicht, wie wir es sonst erlösen sollten und einfach liegen und langsam sterben lassen, konnten wir es auch nicht.

Wir warteten eine Weile, dann stand das Schaf endlich auf und trottet langsam und auf wackeligen Beinen davon, das Lamm hinterher.

 

Abends kamen wir in El Calafate an, auf dem Campingplatz trafen wir Christian, er ist auch mit einem Iveco 40-10 unterwegs durch Südamerika.

 

11. - 13.12.09

 

Wir verbrachten die letzten Tage auf dem Campingplatz und haben uns, MAX und alles Andere wieder einmal vom Staub befreit:

 

Der Staub und der Wind, das sind die beiden Übel, die uns auf unserer Fahrt durch Patagonien begleiten.

Es stürmt immer und überall. Wir haben schon unsere Türen gesichert, weil es vorkommt, dass er sie uns beim Öffnen einfach aus der Hand reist. Zeitweise muss MAX ganz schön kämpfen, um gegen den Wind anzukommen, die Strecken durch die Pampa ziehen sich dann noch mehr.

Und er wirbelt ständig Staub auf. Alles wird staubig, die Kleidung, die Haare, die Haut, alles... Nicht einmal im Auto sind wir sicher vor dem Staub. Während der Fahrt auf den Schotterpisten dringt er durch die kleinsten Öffnungen in den Fahrzeuginnenraum und verteilt sich in allen Ritzen und Spalten. Ich habe schon versucht, die Türen und alle Löcher zusätzlich abzudichten, aber er findet immer neue Wege.

Man stellt sich Patagonien (uns ging´s zumindest so) immer grün, bergig und wasserreich vor, aber man vergisst dabei die Pampa, durch die man fahren muss, um in diese Gegenden zu kommen. Und die ist trocken, steinig und staubig. Es gibt nur wenig Vegetation und das Wenige fressen die Schafe und Rinder. Der Wind kann ungehindert über´s Land fegen.

 

 

Um einmal das „Gerücht“ aus der Welt zu schaffen, wir machen hier Urlaub, würden den ganzen Tag auf der faulen Haut liegen und alles wäre ein Zuckerschlecken:

 

Die meisten Kilometer müssen jetzt auf Schotterpisten zurücklegen. Es gibt nur noch wenige geteerte Straßen und es kann vorkommen, dass eine Straße abschnittsweise gut geteert und dann wieder übelste Wellblechpiste ist.

Auf einer guten Piste kommt man eigentlich auch gut voran, wir können 70, 80 fahren, und die Rüttelei und hält sich in Grenzen, aber auf den Wellblechabschnitten schaffen wir stellenweise nur 10, 20 km/h. Wenn wir versuchen schneller zu fahren, rüttelt es das Fahrwerk ziemlich durch und MAX fängt an zu „schwimmen“. Die ständigen Schläge übertragen sich auch auf den Körper und man bekommt Kopfschmerzen. Viele Kilometer schafft man so nicht an einem Tag und man ist froh, einen guten Stellplatz gefunden zu haben und den Motor abstellen zu können.

 

Wenn man so lange mit dem eigenem Fahrzeug unterwegs ist, gibt es ständig was zu tun. Es ist wie daheim, man muss kochen, spülen, aufräumen und putzen (sogar öfter als zu hause, weil es kein Zimmer gibt, wo man seine Klamotten einfach über den Stuhl oder aufs Bett werfen und dann die Tür hinter sich zumachen kann). Der Klotank muss geleert und fehlendes Getriebe- und Motoröl aufgefüllt werden.

Mal verstopft der Abfluss, dann muss die Wasserpumpe repariert und Schrauben angezogen werden, die sich durch die ständige Rüttelei lösten.

 

Dazwischen möchten wir noch Tagebuch schreiben, Fotos speichern und die Homepage füttern.

 

Und zu guter Letzt will Jakob den ganzen Tag beschäftigt werden. Er geht auf Entdeckungsreise und möchte Papa oder Mama mitnehmen, um mit ihnen seine Erlebnisse und für ihn wichtigen Eindrücke zu teilen. Aber es ist manchmal nicht einfach bei jedem Stein oder Stück Holz stehen zu bleiben und es zu bewundern.

 

 

Aber wir wollten es nicht anders und haben unseren Entschluss zu dieser Reise bisher noch keine Sekunde bereut.

 

 

 

13.12.09

 

Heute fuhren wir zum Perito Moreno Gletscher. Auf dem Weg dorthin trafen wir Bertrand und Emille mit ihren beiden Söhnen. Sie erzählten uns, dass sie drei Tage im Park waren und direkt auf dem Besucherparkplatz mit Blick auf den Gletscher übernachtet hatten. Niemand hätte etwas dagegen gehabt.

Bei uns war es anders:

Als wir auf dem Parkplatz angekommen waren, dauerte es keine fünf Minuten und einer der Guardaparque kam auf uns zu und meinte, dass das Übernachten hier nicht gestattet sei, weil sonst tagsüber die Parkplätze zu knapp werden. Auf dem etwa 1 km entfernten Parkplatz sei es aber kein Problem. Als wir ihm versprachen, dass wir morgen bevor der große Ansturm kommen würde, wegfahren werden, durften wir jedoch trotzdem bleiben. Er meinte auch noch mit einem Zwinkern, dass er weiß, wie schön es ist ,hier am Gletscher zu übernachten.

Und er hatte Recht, die ganze Nacht hörte man das Eis knacken und ächzen, mal leise, dann wieder mit einem lauten ohrenbetäubenden Knall, der sich in den umliegenden Bergen brach. Man konnte förmlich die Kraft spüren, die in diesem riesigen Stück Eis steckt, das sich unaufhaltsam den Berg herunter wälzt, um sich dann am Ende wieder in Wasser zu verwandeln.

 

14.12.09

 

Wie versprochen parkten wir um. Es war auch kein Problem, hier zu parken, denn es gibt von hier aus einen kostenlosen Shuttle Bus zum Besucherzentrum. Wir wählten aber den kurzen Wanderweg um an die Aussichtsplattformen zu gelangen. Es war wunderschön, die Sonne schien und der Gletscher und die im Wasser schwimmenden Eisblöcke leuchteten in allen erdenklichen Blautönen.

Manchmal sahen wir jetzt auch, wie Stücke vom Gletscher abbrachen und mit lautem Getöse in den See stürzten, aber meistens hörten wir es nur wenn das Eis ins Wasser platschte.

Zum Fotografieren war es noch schwieriger, eigentlich war es schon fast wie verhext. Ich suchte mir eine Stelle, die so aussah, als würde sie jeden Augenblick losbrechen, hielt eine Stunde mein Objektiv drauf gerichtet und nichts geschah. Irgendwann als Susi und Jakob keine Lust mehr hatten und wir ein bisschen weitergingen, brach das Stück weg, auf das ich so lange gewartet hatte. Das passierte nicht nur ein, sondern dreimal. Ich hatte schon keine Lust mehr und war schon ein bisschen gereizt. Aber am Schluss gelang es mir dann doch einen Abbruch zu fotografieren.

Wir verbrachten den ganzen Tag am Gletscher, abends fuhren wir dann zurück nach El Calafate.

 

15.12.09

 

Wir verbrachten den heutigen Vormittag in Calafate und versuchten irgendwo ein ungesichertes WiFi aufzuspüren, da das am Campingplatz seit Tagen nicht mehr funktionierte. An einer Tankstelle wurden wir endlich fündig. Wir wünschten wir hätten auch eine Richtantenne, wie wir sie auf einem MAN – Truck gesehen hatten. Mit dieser Antenne konnte man jedes Wlan im Umkreis von 4 km anpeilen und so eigentlich immer ins Netz. Kommt gleich auf unsere Wunschliste für den nächsten Trip.

 

Mittags fuhren wir dann weiter nach El Chalten. Auf dem Weg dorthin hielten wir dann bei zwei Reisenden an, die versuchten zu trampen. Wir hatten zwar eigentlich einmal ausgemacht, keine Tramper mit zu nehmen, erstens weil wir sowieso keinen Platz mehr haben und zweitens ganz einfach aus Sicherheitsgründen. Aber hier war es anders, Christina aus Garmisch und Kasi aus der Schweiz waren mit dem Kajak unterwegs und mußten die Tour abbrechen, weil Christina sich erkältet hatte.

Wir packten also die beiden langen Boote noch zu unserm Faltboot aufs Dach und nahmen die beiden mit. Sie erzählten uns, dass sie eigentlich zum Bergsteigen hierher gekommen waren und schon drei Gipfel rund um den Fitz Roy bestiegen hatten. Weil aber in den letzten zwei Wochen das Wetter zu schlecht war, liehen sie sich zwei Kajaks und wollten den Rio Santa Cruz bis nach Santa Cruz paddeln. Sie machten uns auch keine Hoffnungen, dass das Wetter in den nächsten Tagen besser werden würde.

Die beiden revanchierten sich abends mit einem Essen in einer Pizzeria.

 

16.12.09

 

Wie erwartet war das Wetter heute auch zu schlecht um zu wandern. Das heißt, zum Wandern war es eigentlich ganz gut, wenn man einmal von dem stürmischen Wind absieht, der hier ja zum täglichen Begleiter gehört, aber der Fitz Roy und der Cerro Torre waren wie so oft von Wolken umhüllt. Aus diesem Grund gehören sie auch zu den schwierigeren Bergen. Wir beschränkten uns auf kleinere Wanderungen.

 

17.12.09

 

Wir haben Glück oder ist es die Belohnung für die guten Taten der letzten Wochen. Heute war schönes Wetter, wenig Wind und fast keine Wolken. Wir standen schon früh auf und um 09.00 Uhr ging´s los. Nach einer halben Stunde hatten wir die Gipfel des Fitz Roy Massiv vor Augen, dass spornte uns an. Als wir am Campamento Poincenot angekommen waren und Jakob immer noch brav in seiner Kraxe sitzen blieb, beschlossen wir noch bis zum Basislager oder sogar bis zur Laguna de los Tres zu wandern. Nach 4 1/2 h reiner Gehzeit, hatten wir es dann geschafft, wir waren am Fuß des berühmten Berges angekommen und das bei wolkenlosem Himmel und Sonnenschein. Ein Wetter auf das manche Bergsteiger wochenlang im Basislager warten.

Als wir dann nach zehn Stunden wieder im Auto saßen, waren wir fertig, unsere Füße brannten und meine Schultern schmerzten von den 13 Kilo die ich da hoch geschleppt hatte. Wenn wunderts, nach fast dreimonatigem Nichtstun, von den kleinen Wanderungen einmal abgesehen. Nur Jakob war gut drauf und aufgedreht, kein Wunder hatte er auch fast zehn Stunden (sehr) brav in seiner Krax´n gesessen.

 

18.12.09

 

Heute schlug das Wetter wieder um, es stürmte und die Berge waren wieder wolkenverhangen. Schade, wir wollten eigentlich noch zum Cerro Torre wandern. Wir überlegten lange, ob wir noch einen Tag warten sollen oder nicht, aber das wir noch einmal so viel Glück wie gestern haben würden, war eher unwahrscheinlich. Außerdem rückt Weihnachten näher und das Fest möchten wir gerne in einer schönen Gegend verbringen. Und wenn´s geht ohne Wind und ohne Staub, langsam fängt der Wind an, an unseren Nerven zu zerren und die monotone Weite der Pampa ist uns mittlerweile auch zu trist.

Also fuhren wir weiter auf der Ruta 40, wieder durch die staubige, eintönige Pampa und wieder vom Wind gebeutelt. Unser Ziel war der Lago Cardiel, an dem wir uns einen Schlafplatz für die Nacht suchten.

 

19.12.09

 

Der Tag fing schon gut, heute passierte es mir, der Wind riss mir die Tür aus der Hand. Mit einem lauten Krachen flog sie ganz auf, im ersten Moment dachten wir, die Tür sei aus den Angeln gerissen. Ich stieg aus und schaute nach der Tür. Zum Glück hing sie noch gerade in ihren Scharnieren und am Blech war auch nichts verbogen. Ich musste mit aller Kraft gegen den Wind drücken, um sie zu schließen. Die Plastikarmlehne, in die ich den Spanngurt eingehängt hatte, ging aber leider zu Bruch. Ich bin mir sicher, dass es ohne dieser „Strumsicherung“ nicht so glimpflich ausgegagen wäre.

Der Tag ging auch so weiter, die Ruta 40 wurde immer schlechter und ruppiger. Aber das schlimmste war, dass wir stellenweise mit nur 10 km/h über Wellblech fahren konnten und neben uns die neue, zwar noch im Bau befindliche, aber auf vielen Kilometern schon geteerte Ruta 40 entlang führte. Das war wie Folter. Es gibt ja Leute ,die die Meinung vertreten, die Ruta 40 hätte ihren Ruf als Abenteuerstrecke nicht mehr verdient, weil sie erneuert wird. Aber wer es für ein Abenteuer hält, stundenlang auf schlechten Schotterpisten durch die eintönige Pampa zu fahren, na ja bitte, unser Ding ist es nicht. Also fuhren wir bei der nächst besten Gelegenheit auf die noch gesperrte Straße auf. Wir dachten es sei Samstag und da würde sowieso keiner Arbeiten. Aber bei unserem Glück, kam wie es kommen musste. Nach kurzer Zeit kam uns ein Lastwagen entgegen und der Fahrer forderte uns auf umzudrehen, weil doch gearbeitet wurde. Pech gehabt, aber ein Versuch war´s Wert.

Dafür entschädigte uns die Landschaft, es war zwar immer noch Pampa, aber es erhoben sich die ersten Hügel und Flüsse hatten tiefe Täler ins Gestein gegraben. Eigentlich wollten wir uns noch die Cueva de los Manos anschauen, einen Höhle mit negativen Handabdrücken aus der Steinzeit. Wir waren jedoch nicht in der Stimmung dafür, 80 km Umweg auf uns zu nehmen. Also fuhren wir weiter und fanden einen grandiosen Übernachtungsplatz hinter einem Hügel mit einer bizarren Steinformation und einem schönen Ausblick auf den nahen Canyon des Rio Feo.

 

20.12.09

 

Wir fuhren weiter bis nach Los Antiguos am Lago Buenos Aires. Hier werden wir uns mit dem noetigsten Versorgung um Weihnachten irgendwo in der Wildnis verbringen zu koennen.

 

Wir wuenschen euch allen Frohe Weihnachten.

 

 

Neu:

 

21.12.09

 

Heute reisten wir wieder nach Chile ein. Nachdem wir uns in dem kleinem Ort Chile Chico mit frischen Lebensmitteln eingedeckt hatten, um Weihnachten in der „Wildnis“ verbringen zu können, fuhren wir, einer schmalen Schotterpiste folgend, am Südufer des Sees entlang.

Es nieselte, schwere graue Wolken lagen über den Bergen und Nebel umhüllte die Felsinseln die aus dem blauem Wasser des Sees ragten. Es kam uns vor, als fuhren wir durch eine der mystischen Landschaften aus Christopher Pauolinis Roman, Eragon der Drachenreiter.

 

22.12.09

 

Wir versuchten heute schon früh einen schönen Stellplatz finden, auf dem wir bis nach Weihnachten stehen könnten. Aber ausgerechnet auf diesem Routenabschnitt gab es fast keine geeigneten Orte. Dementsprechend froh waren wir, als wir endlich einen schönen Platz gefunden hatten.Nach einer Weile zog es mich aber weiter. Ich kann nicht sagen warum, aber ich wollte noch weiterfahren. Susi war zwar nicht begeistert, ließ sich aber dann doch überreden. Allerdings mit dem Kompromiss, wenn wir die nächsten 20 km nichts Besseres finden würden, drehen wir um und bleiben auf diesem Platz.

Aus den 20 wurden 50 km und fast 2 Stunden Fahrt. Es war schon 16.00 Uhr als wir in Puerto Tranquilo ankamen und wir hatten immer noch keinen geeigneten Stellplatz gefunden. Die Stimmung im Auto war kurzzeitig angespannt, ich hatte ein schlechtes Gewissen, weil ich darauf gedrängt hatte weiterzufahren, Susi war enttäuscht und von der schlechten Piste genervt und Jakob hielt es auch nicht mehr aus in seinem Sitz. Als wir kurz am Straßenrand hielten, um einen Blick in die Karte zu werfen und um uns zu beratschlagen, klopfte es an die Scheibe. Draußen stand eine Frau mit abgewetzten Lederhut, Karohemd und Jeans und als ich mein Fenster herunter gekurbelt hatte , ergoss sich ein Redeschwall auf Deutsch über mich:“ Ich hab gesehen, dass ihr aus München, meiner alten Heimat, seid. Außerdem habt ihr einen Dachträger, das trifft sich gut. Ihr seid nicht zufällig auf dem Weg zu uns, dann könntet ihr vielleicht ein paar Latten für mich mitnehmen. Ach und übrigens ich bin die Katrin.“

Wir verstanden zunächst nur Bahnhof und ließen uns aufklären. Sie und ihr Mann Thomas betreiben im abgeschiedenem Tal „Valle Exploradores“ das Campo Alacaluf. Jetzt wäre sie zufällig im Ort gewesen und habe erfahren, dass die Bretter fertig seien, auf die sie schon seit langem wartete und die sie dringend bräuchte. Leider könne sie das Holz nicht mit ihrem Auto transportieren und einen Transporter zu mieten wäre zu teuer. Wenn wir nun eventuell sowieso auf dem Weg in das Tal seien, könnten wir vielleicht die Latten mitnehmen.

Susi und ich hatten schon von dem Tal und der „schönsten Straße Patagoniens“ im Reiseführer gelesen und überlegt, ob wir es uns anschauen sollten. Auch über das Hostel der Beiden stand etwas im Führer und wir redeten noch darüber, welche Leute das wohl wären, wie sie leben und was sie dazu bewogen hatte mitten ins Nichts zu ziehen.

Jetzt stand Katrin mit ihrer Bitte an unserem Fenster. Wir zögerten nicht lange und stimmten zu. Sie bot uns als Dank dafür einen schönen Stellplatz für die nächsten Tage an, auch duschen und fischen könnten wir bei ihnen. Damit wäre der patagoniesche Tauschhandel perfekt, wie sie meinte. Wir luden also die Latten aufs Dach und fuhren los. Katrin blieb noch im Ort.

Eine Stunde später kamen wir am Campo an und übergaben die Latten an Thomas, der sich riesig freute und uns unseren Stellplatz zeigte. Vorher durften wir aber noch heiß duschen. Übrigens die beste heiße Dusche seid Beginn unserer Reise.

 

23.12.09

 

Seid wir in Chile sind herrscht Aprilwetter, Thomas meint das sei normal, aber die Temperaturen passten nicht ganz. Obwohl sie im Tal von Gletschern umgeben sind, müsste es um diese Zeit eigentlich schon 20-25 Grad warm sein.

Irgendwie hören wir das nun schon seit Buenos Aires: „Eigentlich müsste es um diese Zeit schon viel wärmer sein, dass Wetter ist heuer irgendwie um ein, zwei Monate hinterher“.

Heute waren es zwischen 10 und 12 Grad und die Bäume auf den Bergen ringsum waren mit Neuschnee bezuckert. Wird wohl nichts aus Weihnachten in der Sonne.

Susi backte heute nochmal Plätzchen und einen Streuselkuchen, ich bastelte weiter an Susi´s Weihnachtsgeschenk und Gabeln für unserer morgiges Fondue und Jakob spielte am Fluß.

Nachmittags wanderten wir auf einem, von Thomas angelegten Pfad durch dichten nichtropischen Regenwald. Irgendwie bizarr, hier gibt es Lianen, Bambus, Farne und sonst alles, was sich der Botaniker Laie unter Regenwald vorstellt, sogar Papageien tummeln sich in den Bäumen. Nur die Temperatur passt nicht ganz in diese Vorstellung.Eine Besonderheit in diesem Teil Patagoniens sind die Nalca Pflanzen, sie sind mit unserem Rhabarber verwandt und haben riesige Blätter.

Danach saßen wir noch lange in der „Pionierhütte“ unser Gastgeber und unterhielten uns über ihr Leben als Auswanderer. Sie sind vor neuen Jahren hierher ausgewandert. Die Idee dazu kam ihnen auf einer früheren Weltreise. Als sie sich dann in München mit Taxifahren genügend Geld hart erarbeitet hatten, haben sie sich ein Grundstück gekauft und dort in drei Jahren für sich und die Gäste ein schönes Haus gebaut, das keine Wünsche offen lässt. Mittlerweile gewinnen sie auch Strom mit einem kleinem Wasserkraftwerk.

Die meiste Zeit verbringen sie aber noch in ihrer alten gemütlichen Holzhütte, mit grob gezimmertem Tisch, Holzofen und urgemütlichem Trapperflair.

Ein sehr schöner Abend.

 

24.12.09

 

Heilig Abend.

Heute regnete es den ganzen Tag. Zum Glück war es in unserem improvisiertem Vorzelt einigermaßen trocken. Wir schmückten unseren Christbaum, mit roten Christbaumkugeln und Kerzen.

Danach gingen wir wieder zu Katrin und Thomas. Wir wollten eigentlich Weihnachten zusammen feiern, aber sie bekamen noch einen allein reisenden Gast, also wurde nichts daraus. Aber wir saßen noch ein , zwei Stunden bei ihnen in der Hütte und erzählten, während Jakob mit einem ihrer acht Hunden spielte.

Abends machten wir dann unser Fondue, mit Hühnchen und Rindfleisch dazu Krautsalat und Pfirsiche aus der Dose. Wir ließen es uns richtig gut gehen. Danach kam dann das Christkind und Jakob und wir freuten uns über unsere Geschenke. Vielen Dank.

Obwohl wir es lieben im Kreise unserer großen Familien zu feiern, wurde es ein sehr schöner Abend, ganz allein in der „Wildnis“ Patagoniens.

 

25.-26.12.09

 

Die Tage verbrachten wir mit Fischen, Wandern und in der Hütte von Katrin und Thomas. Wir hofften immer noch auf besseres Wetter, aber leider regnete es fast die ganze Zeit.

 

27.- 31.12.09

 

Heute fuhren wir weiter, die feucht-nasse Kälte letzten Tage begleitet uns. Als wir über einen Pass (650 m) fuhren, schneite es. Der Schnee blieb sogar liegen und das im Sommer.

Die Carretera Austral führte mal als gut ausgebaute Teerstraße durch „Allgäuer“ Berglandschaften, dann wieder als einspurige Schotterpiste durch immergrünen, nichttropischen Regenwald.

Da es aber weiter ständig regnete, beschlossen wir wieder nach Argentinien zu wechseln, um dort an der Ostseite der Anden weiter zu fahren, weil es dort nicht so nass-kalt sein soll.

 

01.-02.01.10

 

Die letzten beiden Tage verbrachten wir am Lago Guillelmo in NP Nahuel Huapi.

Die Anfahrt war ein bisschen abenteuerlich:

Bei der Suche nach einem Standplatz, wollten wir auf einer kleinen Straße um den See fahren. Nach einem kurzen Stück Schotterpiste kamen wir an einen Bach, der ziemlich viel Wasser führte. Leider gab es keine Brücke, nur eine Furt und zu allem Überfluß waren die Ufer auch noch ziemlich steil. Da die Straße aber laut Karte um den See führt, beruhigten wir uns damit, dass wir nur einmal durch müssen. Wir schafften es dann auch ohne Probleme. Ich glaube für MAX war die erste richtige Flussdurchfahrt keine Herausforderung, für unsere Nerven schon. Wir fuhren weiter, aber bald versperrte uns ein Baumstamm denn Weg, die Straße oder besser gesagt, das was von ihr übrig geblieben war, endete hier. Zum Glück im Unglück fanden wir hier aber einen traumhaften Platz zum Campen.

Die Sonne schien und es war fast windstill. Perfekt. Susi saß am Kiesstrand in der Sonne, Jakob schmiss Steine und Holz ins Wasser und ich fing eine schöne Forelle.

Am zweiten Tag machten wir eine Bootstour mit unserem Faltboot.

 

03.-04.01.10

 

Heute fuhren wir bis San Carlos de Bariloche„die Schweiz Argentiniens“ .Nachdem wir die Innenstadt angeschaut hatten, fuhren wir noch eine Runde durch den NP. Alles ganz schön, aber irgendwie wirklich wie in den Alpen und touristisch voll erschlossen. Dementsprechend überlaufen war es dann auch hier.

Auf dem Campingplatz trafen wir zufällig die französische Familie wieder, mit deren Sohn sich Jakob in Calafate angefreundet hatte. Also blieben wir zwei Tage, damit sie wieder gemeinsam spielen konnten.

 

05.01.10

 

Eigentlich wollten wir heute weiterfahren, aber wir haben schon seit einiger Zeit ein vibrierendes Geräusch an der Lichtmaschine und der Franzose hatte uns von einer IVECO/Fiat Werkstatt mit kompetentem Chef erzählt. Wir schauten also noch dort vorbei und fragten ihn nach seiner Meinung. Er erklärte uns, dass wahrscheinlich ein Kugellager defekt sei und es ausgewechselt gehört. Er hätte aber erst morgen früh Zeit. Wir sagten ihm, dass wir erst noch einmal darüber nachdenken müssten und ihm dann Bescheid geben würden. Er gab sich Mühe, es zu überspielen, aber das wir nicht sofort zugestimmt hatten, beleidigte ihn anscheinend.

Als wir nach kurzer Zeit wieder zurück kamen und wir ihm sagen wollten, dass wir morgen früh kommen würden, war nur noch ein Mechaniker da und dieser meinte, dass es kein Problem sei, wir könnten morgen früh kommen und es machen lassen.

 

06.01.10

 

Wir hatten einen traumhaften Stellplatz, auf dem Cerro Otto, mit tollem Ausblick auf Bariloche und den Lago Nahuel Huapi.

Nach dem Frühstück sind wir gleich los zu der Werkstatt. Dort angekommen, war der jefe noch genau so beleidigt wie den Tag zuvor und reagierte auch dementsprechend. Er wollte uns noch einen Tag warten lassen. Wir dankten ihm ganz herzlich und sagten ihm wir werden es in einem der nächsten Orte richten lassen. So ein Trottel.

Wir fuhren weiter in Richtung San Martin de los Andes. Irgendwann, wir wollten gerade auf einen Parkplatz raus fahren, um eine Pause zu machen, blendete das Auto hinter uns auf und machte uns auf unser rechtes Hinterrad aufmerksam, aus dem ziemlich schnell die Luft entwich. Na toll, ein Unglück kommt selten allein. Das Reifenwechseln war zwar keine große Sache und schnell erledigt, aber eigentlich sollten die Reifen länger halten. Gott sei Dank hat es nicht die Flanken aufgerissen, wir haben nur ein Loch in der Lauffläche und eine der unzähligen Gomerias (Reifenwerkstätten) wird´s schon flicken können.